©  Text und Gestaltung : Rainer Villwock, Solingen  
Bergische Symphoniker - Ohne Orchester stirbt die Vielfalt! Diese Aussage hatten die Remscheider Orchesterfreunde in ihrer Stadt an vielen Stellen großflächig plakatiert. Eine Aktion, die auf den Punkt zielte und im Remscheider Stadtbild nicht zu übersehen war. “Das Orchester erhalten”, die- ser Aufassung waren alle im Rat der Stadt Solingen vertretenen Fraktionen. Inzwischen ist der Erhalt der Bergischen Symphoniker gelungen. Nach harten und zähen Verhandlungen mit dem Partner Stadt Remscheid. Den größten Bei- trag leisteten die Orchestermitglieder selbst. Sie verzichteten auf wesentliche Bestandteile Ihres Einkommens. Außer- dem wird die Zahl der Musiker reduziert. Ergebnis ist ein kleineres, aber immer noch leistungsfähiges Orchester. Für die beteiligten Städte entstehen geringere Ausgaben. Dennoch will ich unsere Gründe für die Erhaltung des Orchesters hier noch einmal erläutern. Die Diskussion, ob die Kosten für ein eigenes Orchester gerechtfertigt sind, ist fast so alt wie das Orchester selbst. 1995 haben sich deshalb die Städte Remscheid und Solingen darauf geeinigt, ihre jeweils selbstständigen Orchester zusammen zu führen und künftig gemeinsam zu betreiben. Diese weise Entscheidung der damaligen politisch Verant- wortlichen wurde dann von den Verwaltungen der Städte hervorragend umgesetzt. Durch die Zusammenlegung haben beide Städte bis heute ca. 15 Mio. Euro eingespart. Der Wert eines eigenen Orchesters liegt, und das muss man immer wieder betonen, nicht nur in der Durchführung von Sinfoniekonzerten und der Begleitung von Oper und Operette. Die Mitglieder des Orchesters gehen gezielt in alle Grundschulen ab der 3. Klasse. Für jedes 4. Schuljahr gibt es Schulprogramme und Wandelkonzerte, für jedes 5. Schuljahr Schulkonzerte und für jedes 6. Schuljahr Schulkonzerte mit Erläuterungen. Sie ermöglichen damit ein Netzwerk für die musikalische Bildung in der Stadt an dem außer dem Orchester selbst und Teilen des Orchesters, die Musikschule, Privatorchester, Gesangvereine, private Musikgruppen und Musiklehrer beteiligt sind. In den Schulen werden z.B. einzelne Instrumente und Instrumentengrupen vorgestellt. Manchem Kind oder Jugendlichen wird dadurch erstmals bewusst, dass man Musik nicht nur konsumieren sondern auch “selbst machen” kann. Den Wert dieser musik- pädagogischen Arbeit (Education-Maßnahmen) kann man nicht hoch genug einschätzen. Wenn unser Schulbildungssystem immer mehr auf Leistung in den sprachbildenden und naturwissenschaftlichen Bereichen getrimmt wird, kommen die persönlichkeitsbildenden Bereiche wie z.B. Musik, Kunst aber auch Sport zwangsläufig zu kurz. Dies führt zu einer gesellschaftlichen Entwicklung die gerade im “Land der Dichter und Denker” und der großen Komponisten bedenklich stimmen sollte. Oft wird behauptet, dass das Orchester und seine Konzerte eine Einrichtung für wenige Senioren sei. Diese Aussage ist heute genauso falsch, wie sie es vor 25 Jahren war, als solche Schlagzeilen auch schon zu lesen waren. Vielmehr hat sich gezeigt, dass die Konzert- und Musiktheaterveranstaltungen immer wieder auch neue Interessenten gefunden haben. Die Besucher von heute sind nicht die gleichen wie vor 25 Jahren. Die heutigen Senioren haben in ihrer Jugend auch Jazz-, Rock- und Popkonzerte besucht. Viele tun dies auch heute noch. Das Interesse an der “klassischen” Musik muss bei manchen Menschen offensichtlich etwas länger “reifen” und setzt oft erst im reiferen Lebensalter ein. Es gibt aber auch durchaus einen beachtlichen Anteil jüngerer Zuhörer. Wer schon einmal ein Konzert besucht hat, wird dies bestätigen. Veranstaltungen mit einer Verbindung aus klassischer Musik und “populärer” Musik würde ich mir allerdings verstärkt wünschen. Kultur- aber auch Sportangebote in einer Stadt sind nicht nur “Wohlfühlfaktoren” oder sogenannte “weiche Standortfaktoren” sondern auch von großer bildungspolitischer und gesellschaftlicher Bedeutung. Für beide Bereiche stehen im städtischen Haushalt gerade einmal 3% der Gesamtausgaben zur Verfügung. Ich denke das kann, dass muss eine Stadt wie Solingen leisten.     -zurück-
Stadtteilkonzert in Gräfrath Kulturtage im Konzertsaal
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