©  Text und Gestaltung : Rainer Villwock, Solingen  
“Zentrum für verfolgte Künste” - Eine Chance für Solingen!
Kein Tema im Kulturbereich hat Politik und Verwaltung so lange beschäftigt wie die Gründung des “Zentrums für verfolgte Künste” im Kunstmuseum Solingen. Anlass genug, einmal Sachverhalte und Hintergründe darzustellen. Worum geht es eigentlich genau, wer ist beteiligt und warum dauert alles so lange.
Hintergrund
Wie ein roter Faden zieht sich durch die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Forderung nach einem “Schlussstrich” unte die deutsche Ver- gangenheit der NS-Zeit. Die Erkenntnis, dass dieser nicht durch Verdrängung sondern nur durch Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit den damaligen Geschehnissen zu bekommen ist, hat sich inzwischen weitgehend durch- gesetzt. Zu den Folgen der NS-Zeit gehören auch die Verfolgung und das Los von Künstlern, wie es beginnend mit der “Bücherverbrennung” 1933, der Aus- stellung “Entartete Kunst” 1937 und vielen Einzelschicksalen deutlich ge- macht werden kann. Daher ist die  Forderung nach einem “Zentrum für verfolgte Künste” fast so alt wie unsere Republik selbst. Be- merkenswert ist, dass es ein solches Zentrum in Deutschland bisher nicht gibt. Der Anfang, den die Stadt Solingen ge- meinsam mit dem LVR macht, sollte dazu führen, dass es bald ein “Deutsches Zentrum für verfolgte Künste”  - in Solingen - gibt.
Die Stadt Solingen beteiligt sich am Kunstmuseum an der Wuppertaler Strasse seit sich die Stiftung Baden aus der Finanzierung zurückgezogen hat. Hier wird moderne Kunst aus der Region gesammelt (soweit finanziell möglich) und ausgestellt. Ebenso der städtische Kunstbesitz. Höhepunkt ist die jährliche “Bergische Kunstausstellung”. Im Jahr 2004 kam das Thema “Verfolgte Künste” hinzu, durch den Kontakt der Museumsleitung mit dem Sammler Dr. Gerhard Schneider. Es entstand eine Bürgerstiftung, in die der Sammler einen Teil seiner Sammlung einbrachte, einige Solinger Sponsoren erhebliche Geldbeträge zur Verfügung stellten und die Stadt sich zur Bereitstellung von Räumen im Museum verpflichtete. Später kam mit der “Sammlung Sehrke” eine bedeutende Sammlung von “verfolgter” Literatur dazu. Das jährliche Defizit des Museums, für beide Bereiche zusammen, wird von der Stadt seit Jahren mit ca. 215.000 € ausgeglichen. Das Angebot des LVR (Landschaftsverband Rheinland) war zuletzt, jährlich 290.000 € Betriebskostenzu- schuss für den Bereich verfolgte Künste zu gewähren, wenn die Stadt sich mit 140.000 € an diesem Projekt beteiligt. Die Stadt darf den bisherigen Gesamtzuschuss nicht überschreiten.             Freie individuelle Entfaltung, nicht nur in der Kunst, ist nur in einer                           freiheitlich demokratischen Gesellschaft möglich. In dem neuen Zentrum soll dann neben der Erschließung, Inventarisierung, Erforschung, Magazinierung und Restaurierung der Bestände, das Thema “verfolgte Künste” einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden und in den Zusammenhang der Zeitgeschichte gestellt werden. Die Einbeziehung der Stiftung “Else-Lasker-Schüler-Zentrum für verbrannte und verbannte Dichter-/Künstlerinnen” ermöglicht eine weitere Ergänzung der Gesamtdarstellung des Themas im zeitlichen Kontext. Obwohl sich die Partner Stadt Solingen und LVR nach jahrelangen Verhandlungen in allen Vertragsan- gelegenheiten einig sind, konnte die Gründung der neuen “Zentrums-GmbH” bisher, wegen ausstehender Genehmigungen der Bezirksregierung und des Innenministers nicht umgesetzt werden. Da jetzt zusätzlich steuerrechtliche Probleme aufgetaucht sind, ist die Gründung nicht vor 2014 zu erwarten. Ziel muss sein, als “Deutsches Zentrum für verfolgte Künste” in die Förderung durch den Bund aufgenommen zu werden. Für Solingen würde dies eine erhebliche Aufwertung des Standortes und eine touristische Belebung bedeuten.
Demnächst: Georg-Meistermann-Platz 1 -Kunstmuseum Solingen-
>